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Baupläne

Auf dieser Seite stelle ich zwei Baupläne vor, die ideal für Einsteiger sind. Aufgrund der einfachen Bauweise sind sie auch besonders für Kinder geeignet.

Die Bauanleitungen stammen aus der Werkmappe "Einfache Bauanleitungen" von Stefan Schneider und Andreas Rathge und wurden mir von der Firma Elliot, Wesel, zur Veröffentlichung genehmigt!
 


Der Schlittendrachen (Sled)

Der Schlitten oder Sled ist eines der einfachsten  Drachenmodelle. Dennoch (oder vielleicht gerade deswegen) hat er hervorragende Flugeigenschaften. Er gehört zur Klasse der halbflexibelen Drachen, das heißt erst der Wind gibt ihm seine endgültige Form. Aufgrund der einfachen Bauweise ist er besonders für Kinder geeignet.

Folgendes Material wird benötigt:

  • 1 Stück Tyvek 50 x 55 cm (aus 1,10 m des 1,5 m breiten Tyveks können sechs Segel zugeschnitten werden)
  • 2 Stück Esche-Rundholzstäbe, Durchmesser 4 mm, je 50 cm lang
  • 50 bis 100 m dünne Polyesterschnur
  • Klebeband, 19 mm breit (am besten Gewebe-Klebeband)
  • Alte Plastiktüten zum Zuschneiden der Schwänze
Das Schnittmuster
Schnittmuster für einen Schlittendrachen

Die Bauanleitung

1. Ausschneiden
Die Maße des Schnittmusters auf das Tyvek übertragen und sauber ausschneiden. Will man größere Stückzahlen anfertigen, empfiehlt sich die Anfertigung einer Schablone aus stabiler Pappe oder dünnem Sperrholz. Man legt dann die Schablone direkt auf das Tyvek und schneidet das Segel mit dem Bastelmesser aus.

2. Bemalen
Hier sind der Phantasien keine Grenzen gesetzt. Bei der Gestaltung beachten Sie bitte, daß die Löcher im Segel später im unteren Teil des Drachens liegen.

3. Stäbe aufkleben
Das Segel mit der bemalten Seite nach unten auf den Tisch legen. Die Stäbe werden entsprechend der Zeichnung mit Klebeband aufgeklebt. An den Ecken und an den Löchern den Klebestreifen von vorne nach hinten um das Segel kleben.

4. Waage anbringen
Die äußeren Ecken werden mit Klebeband verstärkt. Dann die Ecken mit dem Dorn so durchbohren, daß die Schnur durchgesteckt werden kann. Jetzt wird ein Stück Schnur von 1,5 bis 1,9 m Länge von der Rolle abgeschnitten; das entspricht der Entfernung zwischen zwei ausgestreckten Armen eines Erwachsenen (so spart man den Zollstock).

Die Enden dieser Schnur werden an den Löchern in den Ecken festgeknotet.

Nun die beiden Ecken des Drachens genau aufeinanderlegen und die Schnur strammziehen, um die Mitte zu ermitteln. Dort wird dann eine Schlaufe in die Schnur geknotet. Zur Überprüfung an dieser Schlaufe bei exakt aufeinanderliegenden Segelecken ziehen, beide Schnüre sollten stramm sein, keine darf durchhängen. Gegebenenfalls korrigieren.

5. Schwänze anbauen
Ein gut gebauter Schlitten fliegt bei gleichmäßigem Wind problemlos ohne Schwanz. Hat man es aber mit böigem Windverhältnissen zu tun oder ist der Drachen nicht exakt gebaut, kann man mit Schwänzen einiges korrigieren. Außerdem sieht es besser aus.

Die Schwänze schneidet man sich aus alten Plastiktüten, Müllsäcken o. ä., auch Kreppapier oder Tyvekreste sind geeignet. Schneiden Sie Streifen von 2 bis 5 cm Breite aus und kleben Sie sie zu einer Länge von jeweils 1,5 bis 3 m zusammen. Je einen Schwanz unten in den Ecken des Drachens (also Verlängerung der Stäbe) befestigen. Die beiden Schwänze sollten in etwa gleich breit und müssen gleich lang sein.

6. Steigen lassen
Die Flugleine wird an der Schlaufe (der Profi nennt sie Waagenpunkt) befestigt. Etwas Schnur ausrollen, ein Helfer hält den Drachen auf, ein kurzer Ruck und er sollte fliegen. Laufen sollte normalerweise nicht notwendig sein. Steigt der Drachen überhaupt nicht hoch, ist wahrscheinlich zu wenig Wind. Dann sehr viel mehr Schnur ausrollen und noch mal versuchen. So kommt man gleich auf größere Höhe, wo fast immer stärkerer Wind als am Boden bläst.
Trudelt der Drachen oder klappt er ständig zusammen, sollte man es mit den oben beschriebenen Schwänzen versuchen.


Eddy 50

Der Eddy-Drachen ist die Weiterentwicklung des herkömmlichen Diamant- oder Rhombusdrachen. Der Amerikaner William a. Eddy entwickelte dieses Modell 1891 als stabil fliegenden Lastenträger für meteorologische Geräte. Der Flächenwinkel des Drachens sorgt für ruhiges Flugverhalten. Bei einigermaßen genauer Bauweise und halbwegs gleichmäßigem Wind brauchen Eddys keinen Schwanz, um stabil zu fliegen.

Bei dieser im Bauplan vorgestellten kleinen Variante empfehle ich jedoch einen Schwanz anzubringen, weil der Drachen klein ist und deshalb evtl. nicht so stabil fliegt.

Folgendes Material wird benötigt:

  • 50 x 50 cm Tyvek (aus 1 m des 1,50 m breiten Tyveks können acht Segel zugeschnitten werden)
  • 1 Stück Ramin-Rundholzstab, Durchmesser 4 mm, 50 cm lang
  • 2 Stück Ramin-Rundholzstab, Durchmesser 4 mm, 25 cm lang (ein handelsüblicher Stab von 2 m Länge reicht für zwei Drachen)
  • ca. 1 m Waagenschnur, Durchmesser 1 bis 2 mm
  • 1 Aluminium-Waagenring, ca. 10 mm Durchmesser
  • 35 bis 100 m Polyester- oder Dacron-Drachenleine, Bruchlast 10 bis 15 kp
  • Klebeband, 19 mm breit (an besten Gewebe-Klebeband)
  • Altes Brett oder Holzlatte von mindestens 80 cm Länge
  • 1 Drachenkreuz mit Flächenwinkeln für 4mm Rundstäbe
Abbildung 1

Die Bauanleitung

1. Zuschnitt
Übertragen Sie das Schnittmuster aus Abbildung 1 bitte folgendermaßen:

  • Zeichnen Sie ein Kreuz (so breit wie hoch). Der Schnittpunkt dieses Kreuzes liegt bei 20 % der Höhe.
  • Verbinden Sie die Kreuzenden mit einem Strich; dieses ist die spätere Drachengröße.
  • Markieren Sie die Position der Löcher, durch die später die Waagenschnur durchgeführt wird. Das erste Loch soll sich genau im Schnittpunkt des Kreuzes befinden, das zweite Loch 4 cm von der unteren Drachenspitze entfernt.
Für größere Stückzahlen empfiehlt sich die Anfertigung einer Schablone aus stabiler Pappe, Sperrholz oder sogar Blech. Dort, wo sich die Löcher für die Waagenschnur befinden, müssen in die Schablone entsprechende Löcher gebohrt werden. Die Drachenform und die Markierungen für die Löcher können dann per Schablone und einem Stift auf das Segel übertragen und dann ausgeschnitten werden. Wenn die Schablone widerstandsfähig genug ist, kann das Segel auch mit dem Bastelmesser (Cutter) direkt an der Schablone ausgeschnitten werden.
  • Nach dem Zuschnitt kann das Segel bemalt werden. Achten Sie beim Bemalen darauf, daß die Lochmarkierungen nicht übermalt werden! Bemalen Sie daher das Segel von der anderen Seite.
  • Nach dem Bemalen (und Trocknen) werden die Lochmarkierungen von beiden Seiten mit Klebeband verstärkt und dann mit einem spitzen Dorn (Nagel, Dosenpieker oder ähnliches) durchbohrt.


2. Herstellung der Waage
Die Waage ist die Schnuraufhängung des Drachens und seine Verbindung mit der Flugleine. Ihre korrekte und genaue Herstellung ist wichtig für die Flugeigenschaften. Bei diesem Drachen muß die Waage vor der Montage der Stäbe hergestellt und eingebaut werden. Gehen Sie dazu folgendermaßen vor:

Auf einem Brett oder einer Latte von etwa 80 cm Länge zeichnen Sie der Länge nach einen Strich. Am Anfang dieses Striches schlagen Sie einen Nagel ein. In einem Abstand von 29,7 cm und 74 cm ziehen Sie quer zum Strich je einen Querstrich. Dieses einfache Hilfswerkzeug ist für den Bau eines einzelnen Drachens nicht unbedingt notwendig, da sich alle Maße auch direkt übertragen lassen. Aber schon für zwei oder drei Drachen lohnt sich die Anfertigung. Die exakte Herstellung vieler identischer Waagenschnüre wird so zum Kinderspiel!

Abbildung 2

Nehmen Sie nun ein Stück Waagenschnur von ca. 1 m Länge und knoten Sie an einem Ende der Schnur eine Schlaufe von 5 – 10 cm Länge. Legen Sie die Schlaufe über den Nagel und ziehen Sie die Schnur entlag des Striches stramm. Markieren Sie nun die Schnur mit einem Filzstift oder Kugelschreiber genau auf  Höhe der beiden Querstriche.

Lassen Sie vorerst die mittlere Markierung unbeachtet Bei der zweiten Markierung (74 cm) knoten Sie eine weitere Schlaufe so, daß die Markierung in der Spitze der Schlaufe liegt. Die Schlaufe soll ebenfalls 5 bis 10 cm groß sein. Die überschüssigen Enden der Schlaufen werden nun kurz vor dem Knoten abgeschnitten und mit einem Feuerzeug verschweißt, damit sie nicht ausfransen. Sie erhalten so eine Schnur mit je einer Schlaufe an deren Enden und einer Markierung für den dazwischen liegenden Waagenpunkt.

3. Endmontage
Vor der Montage der Stäbe wird die Waagenschnur von der Vorderseite aus durch die Löcher im Segel gefädelt. Achten Sie dabei darauf, daß das von der Waagenpunktmarkierung aus gesehene kürzere Ende dort sitzen soll, wo sich der Schnittpunkt des Kreuzes befindet. Das längere Ende wird durch das Loch an der unteren Drachenspitze gefädelt.

Abbildung 3Nehmen Sie nun das Drachenwerkzeug zur Hand und befestigen Sie daran die Waagenschnur entsprechend der Abbildung 3. Danach schieben Sie einen 50 cm langen Holzstab (4mm Raminrundholz) durch die unter Schlaufe und das Drachenkreuz. Achten Sie dabei darauf, daß der Flächenwinkel des Kreuzes nach hinten zeigt und richten Sie es gleich so aus, daß sich die Oberkante das Kreuzes auf Höhe des oberen Loches befindet.

Jetzt kann der Stab an der oberen und unteren Drachenspitze festgeklebt werden. Dazu wird ein Streifen Klebeband von vorne (der bemalten Seite) nach hinten um das Segel gelegt und fest auf Stab und Segel angedrückt. Zur Sicherheit können Sie diesen Klebestreifen mit einem zweiten, quer über den Stab verlaufenden, Klebestreifen fixieren und nach vorne um das Segel umlegen.

Fertigen Sie zwei Querstäbe von ungefähr 25 cm Länge an und stecken Sie diese in die dafür vorgesehenen Löcher des Drachenkreuzes. Die Länge dieser Stäbe müssen Sie dem Drachensegel noch ein wenig anpassen. Achten Sie dabei unbedingt darauf, daß beide Querstäbe genau gleich lang sind. Ein Unterschied von 5 mm läßt den Drachen bereits zu einer Seite hin abstürzen! Die Querstäbe werden nun genau wie der Längsstab an dem Segel festgeklebt.

4. Waage
Die Anleinung des Drachens nennt man Waage. Sie ist das wichtigste Instrument zum Einstellen des Drachens auf verschiedene Windverhältnisse.

- Die noch freie Markieung auf der Waagenschnur ist der Waagenpunkt.
- An diesem Waagenpunkt wird jetzt mit einem Buchtknoten der Waagenring eingesetzt (siehe Abbildung 4).

Abbildung 4

Dieses stellt nur eine grobe Voreinstellung dar. Die endgültige Position  des Waagenpunktes wird beim Start vorgenommen. Dazu wird der Drachen am Waagenpunkt in den Wind gehalten und die Waagenschnur auf dem Zeigefinger so lange verschoben; bis der Drachen einigermaßen ruhig fliegt. In diese Position setzt man nun den Waagenring, befestigt mit dem Wirbelkarabiner die Schnur daran und läßt den Drachen steigen. Fliegt er gut – herzlichen Glückwunsch!

  • Steigt er überhaupt nicht auf, so muß der Waagenring nach oben, auf die Drachenspitze zu, verschoben werden,
  • steigt er schnell auf, stürzt aber immer wieder zu einer Seite ab, muß der Ring nach unten verschoben werden.
  • Zum Verstellen wird der Buchtknoten ein wenig gelockert und die Waagenschnur entsprechend verschoben. Die Einstellung sollte immer nur in kleinen Schritten von 1 bis 2 cm verstellt werden. Ist die richtige Einstellung gefunden, sollte man diese durch eine Filzstiftmarkierung auf der Schnur kennzeichnen. Das erleichtert spätere Einstellarbeiten.
Fliegt der Drachen, läßt sich aber nicht davon abbringen, ständig Loopings zu drehen und Haken zu schlagen, wird meistens ein Schwanz Abhilfe schaffen. Beim Schwanz ist nicht das Gewicht für gute Wirkung entscheidend, sondern der Luftwiderstand. Der einfachste Schwanz wird aus alten, möglichst bunten Plastiktüten oder aus Tyvekresten hergestellt Daraus werden Streifen von 3 bis 5 cm Breite geschnitten und diese zu einem langen Streifen von mindestens 3 m Länge zusammengeklebt. Dieser Streifen wird dann mittig an der unteren Drachenspitze festgeklebt.

Andere mögliche Schwanzformen sind in Abbildung 6 auf Seite 12 dargestellt. Die Länge des Schwanzes beträgt für den Eddy 50 , je nach Windverhältnissen und Geschmack, 3 bis 10 Meter.



Letzte Änderung: 21.10.2009, 14:20 Uhr Angesehen: 115461 Druckansicht